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Zu Shakespeares Geburtstag

Shakespeares Geburtstag 2020Aus der Ruhe vor dem Sturm.

William Shakespeare hat Geburtstag. Na und? Was gibt es da zu feiern, wir haben gerade anderes zu tun und sind mit uns selbst beschäftigt, sorgen uns um unsere Familien oder sehen die Menschheit insgesamt bedroht. Die gesamte Kulturszene unserer Hauptstadt, die weltweit ihresgleichen sucht und Jahrzehnte gebraucht hat, um so vielfältig, wild und unwiderstehlich zu sein, läuft Gefahr, auszubluten, auszutrocknen und ausgelöscht zu werden – wenn wir nichts unternehmen würden. Doch alles was unsere Künste und Künstler zu bieten und aufzubieten haben, meldet sich zu Wort, konzertiert aus Wohnzimmern, bekennt Farbe, vernetzt und überbietet sich online mit immer neuen Formaten und Talenten mit Songs, Sinfonien, Sprachkunst, Stationentheater und Museumsrundgängen. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht, doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Menschen, die Kunst machen, sind geborene Überlebenskünstlerinnen und nähren uns, wenn kein Brot satt macht, was kein Geld kaufen kann und wo keine Impfung dieser Welt jemals wirkt: in der Seele.

Was hat das alles mit Shakespeare zu tun. Nichts? Alles. Warum überleben seine Dramen und seine Dichtkunst auch, wenn wir alle längst zu Staub und unsre Städte zu Asche geworden sind? Warum findet sich in seinen Werken zu jedem Usurpator der Geschichte ein Beispiel, für jede Charaktereigenschaft einen Archetypus und zu jeder Lebenslage ein Zitat? Weshalb fesseln uns seine faszinierenden Figuren, schillernden Schauplätze und transzendentalen Themen über alle kulturellen Grenzen hinaus, in jeder Altersgruppe und durch jede Epoche hindurch? Wie schafft er es so virtuos, vielschichtig und variantenreich Helden und Hexen heraufzubeschwören, Liebende mit Lächerlichkeit zu entlarven und Despoten als Deppen darzustellen? Wieso gibt es bei ihm alles in Hülle und Fülle, mit Haut und Haaren, mit Blut, Schweiß und Tränen, was Menschen bewegt, berührt und begeistert?

Shakespeare hat uns erkannt, lange bevor es uns gab. Er schaut uns in die Seele, trifft uns ins Mark, zieht uns das Fell über die Ohren, geht uns an die Nieren und ans Eingemachte. Er hat ein Herz für alle Verirrten, Verwirrten, Vernarrten, Versprengten, Verlorenen und Verzweifelten dieser Welt, er liebt uns und wir lieben ihn, weil wir uns in ihm wiederfinden, uns selbst näherkommen, auch wenn Nähe nur aus Distanz möglich ist. Doch bei allem Respekt für den reichhaltigen Strom an Streaming-Angeboten: Theater muss man live erleben. Deshalb müssen wir weiter arbeiten, egal wohin es führt und wann wir es wieder dürfen können sollen. Totgesagte leben länger. Denn wir wissen, was wir tun. Solange wir spielen, sterben wir nicht. Shakespeare hat Geburtstag. Also lasset uns feiern!

Wir sind der Stoff, aus dem die Träume sind. Mitten im Auge des Orkans melden wir uns zu Wort. Das chinesische Schriftzeichen für Krise beinhaltet zwei Silben, die einzeln gelesen die Worte Gefahr und Chance bedeuten. Wir haben uns entschlossen, das Wagnis einzugehen und ohne unseren Premierentermin zu kennen, uns mit Shakespeares spätem Werk zu beschäftigen, mit dem er sich vom Theater verabschiedet haben soll…

Christian Leonard, April 2020

DER STURM

 

Globe Berlin

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10589 Berlin-Charlottenburg

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